Erfahrungsbericht IELTS-Test (Academic Module)

Von Esther Künzli (Juli 2009)

Als ich vor drei Jahren das Cambridge Proficiency Exam gemacht (und auch bestanden) hatte, dachte ich, ich wäre sozusagen im Olymp der Englischprüfungen angekommen. In Zukunft würde ich zwar sicher noch den einen oder anderen Englischkurs machen, jedoch keine Prüfung mehr. Die Illusion hielt genau bis Anfang diesen Jahres, als ich mit Schrecken feststellte, dass die London School of Hygiene and Tropical Medicine, an welcher ich gerne einen Masterstudiengang machen würde, das CPE nicht akzeptiert. Da stand ich nun und hatte die Wahl zwischen IELTS (noch nie gehört) und TOEFL (schon davon gehört, aber auch nicht mehr). Nachdem ich mich im Internet und im Sprachenzentrum (das dankbarerweise auch die Fragen von ehemaligen Studierenden beantwortet, DANKE!) informiert hatte, entschloss ich mich für den IELTS. Einerseits, da Englisch für mit immer „British English“ gewesen ist und andererseits, da es sich dabei auch um eine Art „Cambridge Prüfung“ handelt und dadurch zumindest ein Hauch von Ähnlichkeit mit dem CPE besteht.

Bei IELTS handelt es sich um einen vierteiligen Test, welcher aus Hörverstehen, Leseverstehen, Schreiben und Sprechen besteht. Benotet wird nach einem „Band“-System von 1-9 und es wird in ein „academic module“ (für Universitäten und Ausbildung) und ein „general module“ (z.B. für Auswanderer nach Kanada oder Australien) unterteilt. Laut der Homepage des British Council in Bern, welches den Test anbietet, entspricht Band 7-8 ca. einem Cambridge Advanced und 8-9 einem Cambridge Proficiency. Die meisten Universitäten in Grossbritannien verlangen mind. 6.5-7. Da es Unterschiede zwischen den verschiedenen Universitäten gibt, empfiehlt es sich, sich im Vorfeld zu informieren.

Da ich keine Zeit für einen erneuten Englischkurs zur Vorbereitung hatte, habe ich mich selbständig vorbereitet. Da es beim IELTS, wie auch bei den anderen Cambridge Exams, jedoch nicht nur darauf ankommt, Englisch zu können (was durchaus hilfreich ist :-), sondern auch darum, zu verstehen, wie der Test „funktioniert“, würde ich jedem, der noch nie einen Cambridge Test gemacht hat, einen Vorbereitungskurs sehr empfehlen. Um nicht völlig ahnungslos zu sein, habe ich dann noch an einem Vorbereitungstag im British Council in Bern teilgenommen. Der Tag ist sehr interessant und informativ, ersetzt aber einen richtigen Vorbereitungskurs sicher nicht.

Die Prüfung selber fand an einem Samstag in Bern statt. Begonnen wurde mit dem Hörverständnis, gefolgt von Leseverständnis und anschliessend Schreiben. Jeder Teil dauert ca. 1 Stunde. Am Nachmittag fand dann noch der mündliche Teil statt, welcher ca. 15 Minuten dauerte.

Im Hörverständnis werden einem vier Unterhaltungen vorgespielt, welche an Schwierigkeit zunehmen. Den Teil fand ich relativ einfach; die Antworten kommen in derselben Reihenfolge wie die Fragen angeordnet sind, d.h., man muss nicht ständig von einer Frage zur nächsten springen und dabei Angst haben, die benötigte Information schon lange verpasst zu haben. Die Sprecher haben unterschiedliche Akzente, waren jedoch alle sehr gut verständlich, nichts Extremes. Nachdem das Band durchgelaufen ist, hat man Zeit, die Antworten auf das Antwortblatt zu übertragen.

Im Leseteil kommen mehrere Texte (ich kann mich an drei erinnern, bin allerdings nicht sicher, ob es nicht vier waren). Die Texte selber fand ich einfach zu verstehen und hatte während des Tests nicht das Gefühl, mit diesem Teil Mühe zu haben. Die Tatsache, dass es schlussendlich , wenn man die Resultate betrachtet, mein schlechtester Testabschnitt war, ist ein Beispiel dafür, dass man wissen muss, wie die Cambridge Tests „funktionieren“. Man kann, obwohl man den Text und die Fragen perfekt versteht, die falschen Antworten auswählen. Es braucht etwas Übung, um zu erkennen, welche Antwort die Prüfer wollen. Wichtig an diesem Teil ist, dass es keine Extra-Zeit gibt, um die Antworten zu übertragen!

Der schriftliche Teil war mein „Angst-Teil“. Einerseits, weil ich wusste, dass ich darin unbedingt „Band 7“ brauchte, andererseits weil die Zeit extrem knapp bemessen ist. Innerhalb von 60 Minuten muss man zwei Texte schreiben. Für den ersten Text muss man ein Diagramm resp. eine Tabelle oder ein Schema beschreiben. Der Text muss mindestens 150 Wörter lang sein und sollte aus einer kurzen Einleitung, der Beschreibung der drei Hauptpunkte der Tabelle resp. des Schemas und einer kurzen Zusammenfassung bestehen. Und, ganz wichtig, da einfach: Abschnitte machen! Der zweite Text muss 250 Wörter lang sein und beschäftigt sich mit einem aktuellen Thema (in meinem Fall die Frage, ob die Gewalt rund um Fussballspiele zugenommen hat, was Gründe dafür sein könnten und was man dagegen tun könnte). Da die Themen weltweit dieselben sind, sind sie meist wirklich sehr allgemein gehalten. Auch hier gilt, dass man eine Einleitung und eine Zusammenfassung schreiben muss und gut strukturieren sollte. In meinen Augen ist dieser Teil der Prüfung der schwierigste, da man im Vorfeld nicht weiss, mit was für Themen man konfrontiert werden wird und die Zeit so knapp bemessen ist, das man nicht noch lange Zeit hat, zu überlegen, sondern möglichst schnell losschreiben muss.

Der mündliche Teil findet, zumindest in Bern, meist am gleichen Nachmittag wie der schriftliche Teil statt. Es ist eine 1:1-Situation, d.h., man sitzt nur einem Examinator gegenüber. Begonnen wird mit allgemeinen Fragen zu Beruf und Studium. Dann bekommt man eine Karte mit einer Fragestellung (z.B. welches Kunstwerk haben Sie schon gesehen), über die man 1-2 Minuten frei sprechen muss (Monolog, kein Dialog, der Examinator hört nur zu). Zusätzlich sind auf der Karte ein paar zusätzliche Diskussionspunkte (Wie sieht das Kunstwerk aus? Wo steht oder hängt es? Von wem ist es? Wie gefällt es Ihnen?), welche dazu dienen sollen, dass einem der Text nicht ausgeht. Im Gegensatz zum Cambridge Proficiency Exam, wo die zwei Minuten möglichst genau getimt sein sollten, spielt es hier kein Rolle, wenn einen der Examinator mitten im Satz mit einem höflichen „thank you“ unterbricht. Anschliessend kommt nochmals eine kurze Diskussion, meist im Zusammenhang mit dem Thema, über das man gerade gesprochen hat. Wichtig ist, wirklich zu sprechen! Lieber etwas sagen, was nicht ganz korrekt ist, als schweigend dazusitzen. Und es ist absolut egal, was man sagt, es kommt darauf an, wie man es sagt. Das heisst nicht, dass man die Frage nicht beantworten soll, oder man, wenn man zu Kunst gefragt wird, über das Wetter reden sollte, aber man darf auch über ein Buch schwärmen, das man doof fand, oder ein Bild beschreiben, was man nur aus Büchern kennt. Einfach reden, reden, reden.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass der Test, dadurch dass er klar quantifizierbar ist, sicher seinen Zweck erfüllt. Inwieweit er tatsächlich etwas über die vorhandenen Englischkenntnisse aussagt, finde ich zweifelhaft. Ich beispielsweise weiss, dass mein Leseverständnis im Englischen sicher weit besser ist als meine schriftlichen Fähigkeiten. Obwohl die Resultate des Tests etwas anderes behaupten. Wenn man den Test nicht braucht, um an eine Uni zu gehen oder auszuwandern, sondern einfach nur schwarz auf weiss haben möchte, wie gut man Englisch kann, würde ich nach wie vor die „klassischen“ Cambridge Exams empfehlen.

Für alle, die, aus was für Gründen auch immer, den IELTS-Test machen, noch einen letzten wichtigen Punkt auf den Weg: Da ganz unterschiedliche Fragetypen vorkommen (Einfachantwort, Mehrfachantwort, nur ein Buchstabe, mehrere Wörter) immer ganz genau lesen, wie die Fragestellung ist!

Und, last but not least: Good luck!